Der
Einfluss der Engel und Geister auf den Menschen
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Emanuel Swedenborg 1688-1772
1. Mit dem Einfließen aus der geistigen Welt in den Menschen verhält es sich im Allgemeinen so, daß der Mensch nichts denken und nichts wollen kann, sondern daß Alles einfließt, das Gute und Wahre vom Herrn durch den Himmel, somit durch die Engel, die beim Menschen sind, das Böse und Falsche von der Hölle, somit durch die bösen Geister, die beim Menschen sind; und zwar in das Denken und Wollen des Menschen; ich weiß wohl, daß dieses als sehr widersinnig erscheinen wird, weil es den Anschein entgegen ist, aber die wirkliche Erfahrung wird lehren, wie sich die Sache verhält.
2. Denn gar kein Mensch, Geist oder Engel hat Leben von sich, und kann also auch nicht von sich denken und wollen; im Denken und Wollen liegt aber das Leben des Menschen, das Reden und Handeln ist das Leben, welches hervorgeht; es gibt nur ein einziges Leben, nämlich das des Herrn, welches in alle einfließt, aber es wird auf verschiedene Weise aufgenommen, und zwar gemäß der Beschaffenheit, welche der Mensch seiner Seele durch´s Leben angeeignet hat; daher wird bei den Bösen das Gute und Wahre in Böses und Falsches verwandelt, bei den Guten aber wird das Gute aufgenommen als Gutes, und das Wahre als Wahres. Dies läßt sich vergleichen mit dem Lichte, das von der Sonne in die Gegenstände einfließt, aber dort verschiedentlich gemäß der Form der Teile modifiziert und verändert wird, und daher entweder düstere oder freundlichere Farben aufnimmt; während der Mensch in der Welt lebt, gibt er den reinsten Substanzen, aus welchen sein Inwendigeres besteht, eine bestimmte Form, so daß man sagen kann, daß er seine Seele, das heißt ihre Beschaffenheit bilde; gemäß dieser Form wird das Leben des Herrn, welches Seiner Liebe gegen das ganze Menschengeschlecht angehört, aufgenommen.
3. Damit das Leben des Herrn beim Menschen einfließe, und ganz ordnungsgemäß aufgenommen werde, sind fortwährend beim Menschen Engel und Geister, Engel aus dem Himmel und Geister von der Hölle; und ich bin belehrt worden, daß bei einem Jeden sich zwei Geister und zwei Engel befinden. Daß es Geister von der Hölle sind, hat den Grund, weil der Mensch aus sich selber fortwährend im Bösen ist, denn er ist im Lustreiz der Selbst- und Weltliebe, und in dem Maß, als der Mensch im Bösen ist oder in jenem Lustreiz, können die Engel aus dem Himmel nicht gegenwärtig sein.
4. Jene zwei Geister, welche dem Menschen beigesellt sind, machen, daß er Gemeinschaft hat mit der Hölle, und jene zwei Engel machen, daß er Gemeinschaft hat mit dem Himmel; der Mensch könnte ohne Gemeinschaft mit dem Himmel und mit der Hölle nicht einen Augenblick leben; würde jene Gemeinschaft weggenommen, so würde der Mensch tot hinfallen wie ein Stock, denn alsdann würde weggenommen der Zusammenhang mit dem Ursein, das heißt mit dem Herrn. aß nur Wenige glauben, daß ein Geist bei ihnen sei, ja daß es überhaupt Geister gebe; auch dies wurde mir auch durch Erfahrung gezeigt, denn es wurden die Geister bei mir ein wenig entfernt, und in dem Maß, als sie entfernt wurden, fing ich dann an, gleichsam den Geist aufzugeben, und ich hätte ihn auch aufgegeben, wenn sie nicht wieder herzugebracht worden wären. Ich weiß jedoch, dem Grund vornehmlich, weil heutzutage kein Glaube da ist, weil keine Liebtätigkeit; daher glaubt man auch an keine Hölle, ja auch an keinen Himmel, folglich an kein Leben nach dem Tod; der andere Grund ist, weil man die Geister nicht mit seinen Augen sieht, denn man sagt: würde ich sehen, so würde ich glauben, was ich sehe, das heißt, was ich nicht sehe, davon weiß ich nicht, ob es sei; während man doch weiß, oder wissen kann, daß das Auge des Menschen so stumpf und grob ist, daß er nicht einmal das sieht, was in dem Untersten der Natur hervortritt, wie man sich durch die künstlichen Gläser, durch welche solche Dinge erscheinen, überzeugen kann; wie soll er dann sehen können, was innerhalb der noch reineren Natur ist, wo Geister und Engel sind; diese kann der Mensch nur mit dem Auge seines inwendigen Menschen sehen, denn nur dieses ist dazu geeignet, solche zu sehen; aber das Gesicht dieses Auges wird dem Menschen nicht geöffnet, so lange er in der Welt ist, aus mehreren Gründen. Hieraus kann erhellen, wie weit der heutige Glaube absteht vom alten Glauben; der alte Glaube war (nämlich), daß ein jeder Mensch seinen Engel bei sich habe.
5. Die Sache verhält sich auf folgende Weise: Vom Herrn geht durch die geistige Welt in die Gegenstände der natürlichen Welt ein allgemeiner Einfluß und ein besonderer Einfluß; ein allgemeiner Einfluß in dasjenige, was in der Ordnung ist, ein besonderer Einfluß in dasjenige, was nicht in der Ordnung ihrer Natur, deswegen geht in sie ein allgemeiner Einfluß; daß sie in der Ordnung ihrer Natur sind, erhellt daraus, daß sie in all das Ihrige geboren werden, und durch keine Belehrung in dasselbe eingeführt zu werden brauchen; die Menschen dagegen sind nicht in der Ordnung und in keinem Gesetz der Ordnung; deswegen geht in sie ein besonderer Einfluß. das heißt, es sind bei ihnen Engel und Geister, durch welche der Einfluß vermittelt wird; und wenn jene nicht bei den Menschen wären, so würden sie in allen Frevel hineinrennen, und sich augenblicklich in die tiefste Hölle stürzen; der Mensch ist durch jene Geister und durch die Engel unter der Obhut und Leitung des Herrn. Die Ordnung des Menschen, in der er geschaffen ist, wäre, daß er den Nächsten lieben sollte wie sich selbst, ja mehr als sich selbst; so tun die Engel; aber der Mensch liebt sich allein und die Welt, und haßt den Nächsten, außer insofern er ihm zur Herrschaft und zu weltlichen Zwecken förderlich ist; eben darum weil er durch besondere Geister und Engel vom Herrn regiert.
6. Die gleichen Geister bleiben nicht immerfort beim Menschen, sondern werden gemäß den Zuständen des Menschen, nämlich seiner Neigung oder Liebe und Zwecke, gewechselt; die früheren werden entfernt, und andere treten an ihre Stelle; überhaupt sind solche Geister beim Menschen, wie der Mensch selbst ist; wenn er geizig ist, so sind es geizige Geister, ist er hochmütig, so sind es hochmütige Geister, ist er rachgierig, so sind es eben solche Geister, ist er trügerisch, so sind es ähnliche Geister; der Mensch zieht Geister aus der Hölle seinem Leben gemäß an sich. Die Höllen sind auf's genaueste unterschieden gemäß den Arten des Bösen der Begierden, und gemäß allen Unterschieden des Bösen; daher fehlt es gar nie, daß die Gleichen herbeigerufen und dem Menschen, der im Bösen ist, beigesellt werden.
7. Die bösen Geister, die beim Menschen sich befinden, sind zwar von den Höllen, dann aber, wenn sie bei ihm befinden, sind sie nicht in der Hölle, sondern daraus entnommen; der Ort, wo sie alsdann sind, ist mitten zwischen der Hölle und dem Himmel, und wird die Geisterwelt genannt, deren früher oft Erwähnung geschah. – In dieser Welt, welche die Geisterwelt genannt wird, sind auch die guten Geister, welche ebenfalls beim Menschen sind; in diese Welt kommen auch die Menschen sogleich nach dem Tod, und nach einigem Verweilen daselbst werden sie entweder abgefertigt in die untere Erde, oder hinuntergeschickt in die Hölle, oder in den Himmel erhoben, jeder seinem Leben gemäß. In diese Welt laufen nach oben zu die Höllen aus, welche daselbst geschlossen und geöffnet werden, wie es dem Herrn gefällt, und in diese Welt lauft nach unten zu der Himmel aus; sie ist also ein Zwischenort, der den Himmel von der Hölle unterscheidet, hieraus kann man erkennen, was die G e i s t e r w e l t ist. Wenn die bösen Geister, die sich beim Menschen befinden, in dieser Welt sind, dann sind sie nicht in der höllischen Pein, sondern in den Luftreizen der Selbst- und Weltliebe, wie auch in allen Vergnügungen, in welchen der Mensch selbst ist, denn sie sind in allem Denken und in aller Neigung des Menschen; wenn sie aber in ihre Hölle zurückgeschickt werden, kehren sie in den frühern Zustand zurück.
8. Die Geister, welche an den Menschen herankommen, treten in sein ganzes Gedächtnis ein und in alle Kenntnisse des Gedächtnisses, welche der Mensch besitzt; dadurch ziehen sie Alles an, was dem Menschen angehört, bis zu dem Grad, dass sie nicht anders wissen, als es gehöre ihnen; dieses Vorrecht haben die Geister vor den Menschen voraus; daher kommt es, dass Alles, was der Mensch denkt, sie auch denken, und dass Alles, was der Mensch will, sie auch wollen, wie auch umgekehrt, dass Alles, was jene Geister denken, auch der Mensch denkt, und Alles, was jene Geister wollen, auch der Mensch will; denn sie wirken zusammen durch die Verbindung; beiderseits aber meint man, dass Solches in ihnen selbst und von ihnen selbst sei, so die Geister wie die Menschen; aber es ist eine Täuschung.
9. Vom Herrn wird vorgesehen, dass die Geister in die Gedanken und Willenstriebe einfließen, die Engel aber in die Zwecke, und so durch die Zwecke in dasjenige, was aus den Zwecken folgt; auch fließen die Engel durch gute Geister ein in das beim Menschen vorhandene Gute des Lebens und Wahre des Glaubens, wodurch sie ihn vom Bösen und Falschem soviel als möglich abbringen; dieser Einfluß ist ein stiller, dem Menschen unbewusster, aber dennoch im Verborgenen wirkend und schaffend; hauptsächlich werden sie böse Zwecke ab und flößen gute ein; in dem Maß aber, als sie es nicht können, entfernen sie sich, und wirken entfernter und (gleichsam) abwesender ein, und dann treten die bösen Geister näher hinzu; denn die Engel können in bösen Zwecken, das heißt in den Trieben der Selbst- und Weltliebe nicht gegenwärtig sein, aber dennoch sind sie von ferne gegenwärtig. Der Herr hätte durch die Engel den Menschen in gute Zwecke mit allmächtiger Kraft führen können; aber das würde heißen, ihm das Leben nehmen; denn sein Leben gehört ganz entgegengesetzten Liebestrieben an; daher ist es ein unverletzliches göttliches Gesetz, dass der Mensch in der Freiheit sein, und dass das Gute und Wahre oder die Liebtätigkeit und der Glaube in der Freiheit und durchaus nicht im Zwang eingepflanzt werden soll; denn was im Zustand des Zwangs aufgenommen wird, das bleibt nicht, sondern wird zerstoben; denn den Menschen zwingen, heißt nicht etwas in seinen Willen einflößen, denn es ist der Wille des Andern, aus welchem er es tun muß; daher wird es, wenn er zu seinem Willen, das heißt zu seiner Freiheit zurückkehrt, ausgestoßen; deshalb regiert der Herr den Menschen durch seine Freiheit, und hält ihn womöglich ab von der Freiheit, das Böse zu denken und zu wollen; denn wenn der Mensch vom Herrn nicht abgehalten würde, so würde er sich immerfort jählings in die tiefste Hölle stürzen, Es wurde gesagt, der Herr hätte durch die Engel den Menschen mit allmächtiger Kraft in gute Zwecke führen können, denn die bösen Geister können in einem Augenblick abgetrieben werden, und wenn selbst viele Tausende um den Menschen wären, und zwar durch einen einzigen Engel, aber dann käme der Mensch in eine solche Pein und in eine solche Hölle, dass er es gar nicht aushalten könnte; denn er würde seines Lebens auf jammervolle Weise beraubt; das Leben des Menschen besteht nämlich aus Begierden und Einbildungen gegen das Gute und Wahre; wenn nicht durch böse Geister dieses Leben unterhalten und dadurch gebessert oder mindestens geleitet würde, so würde er keine Minute überleben; denn es wohnt nichts Anderes in ihm als Selbstsucht und Gewinnsucht und Ehrgeiz, somit Alles was gegen die Ordnung ist; würde er daher nicht allmählich und stufenweise durch Leitung seiner Freiheit in die Ordnung gebracht, so würde er alsbald den Geist aufgeben.
10. Ehe es mir
offenbar war, dass ich mit Geistern redete, war ich der Meinung, es könnte gar
kein Geist und kein Engel meine Gedanken wissen und innewerden, weil sie
inwendig in mir seien, ausgenommen Gott allein; da trug es sich einmal zu, dass
ich bemerkte, wie ein gewisser Geist wusste, was ich dachte; denn er redete mit
mir davon, mit wenigen Worten, und gab den Beweis seiner Gegenwart durch ein
gewisses Zeichen; darüber staunte ich, und hauptsächlich, dass er meine
Gedanken wusste; hieraus ergab sich denn, wie schwer es dem Menschen ist zu
glauben, dass ein Geist wissen, was er denkt; während er doch nicht bloß die
Gedanken kennt, die der Mensch selbst hat, sondern auch die kleinsten
(Bestandteile) der Gedanken und Neigungen, welche der Mensch nicht (kennt);
dieses weiß ich aus einer fortwährenden mehrjährigen Erfahrung.
11. Der Verkehr der Gesellschaften mit anderen Gesellschaften wird durch Geister vermittelt, welche sie aussenden, und durch welche sie reden; dieser Geister werden Träger genannt. Als [einst] eine Gesellschaft bei mir war, konnte ich es nicht wissen, ehe sie einen solchen Träger aussandten, als dieser aber gesandt wurde, war sogleich die Gesellschaft eröffnet; dieses ist eine ganz gewöhnliche Erscheinung im anderen Leben, und kommt häufig vor. Hieraus kann erhellen, daß die Geister und die Engel, die sich beim Menschen befinden, bei ihm sind wegen des verkehrs mit den Gesellschaften in der Hölle und mit den Gesellschaften im Himmel.
12. Ich redete einige Male mit den Geistern von der Fähigkeit, wodurch sie sich vor den Menschen auszeichnen, daß sie nämlich, sobald sie ankommen, den ganzen Gedächtnisinhalt des Menschen in sich aufnehmen, und obwohl sie früher nichts von den Wissenschaften , von den Sprachen und von den Sachen, welche der Mensch von der Kindheit an bis zum Greisenalter gelernt und angenommen hat, wußten, dennoch im Augenblick in den Besitz von allem kommen, und daß sie so bei den Gelehrten gelehrt, bei den Witzigen witzßig, bei den Klugen klug seien. Hier wurden jene Geister stolz, denn es waren keine guten; deshalb durfte ich zu ihnen auch sagen, daß sie [ebenso] bei den Ungelehrten ungelehrt seien, bei den Dummen dumm, bei den Unsinnigen und Narren unsinnig und närrisch seien, denn sie nehmen alles inwendigere des Menschen an, bei welchen sie sind, also auch alle seine Irrtümer, Einbildungen, falsche Meinungen, folglich seine Unsinnigkeiten und Narrheiten. Zu den kleinen Kindern aber können die bösen Geister nicht treten, weil sie noch nichts im Gedachtnis haben, was sie anziehen könnten; daher sind bei ihnen [nur] gute Geister und Engel.
13. Durch viele Erfahrung wurde mir zu wissen gegeben, daß die Geister meinen, alles, was sie aus dem Gedächtnis des Menschen denken und reden, sei ihr eigen und in ihnen; wenn man ihnen sagt, daß es nicht so sei, werden sie sehr unwillig; eine solche Sinntäuschung herrscht bei ihnen. Damit sie überzeugt würden, daß es nicht so sei, wurden sie gefragt, woher es komme, daß sie in meiner Muttersprache mit mir rden könnten, währen sie doch im Leben des Leibes gar nichts von ihr gewußt hätten, und wie sie die übrigen Sprachen, die ich verstehe, da sie doch auch nicht eine einzige aus sich selber verstünden; ob sie denn glaubten, daß ihnen dies eigen sei; ich las vor ihnen auch in hebräischer Sprache, welche sie so gut verstanden wie ich, auch die Kinder, sonst aber nichts; auch [wurde ihnen gezeigt], daß alles Wisstümliche, das bei mir ist, bei ihnen sei; dadurch wurden sie überzeugt, daß wenn sie zu einem Menschen kommen, sie in den Besitz aller seiner Kenntnisse kommen, und daß sie im Irrtum seien, wenn sie glauben, es sei ihr Eigenes. Ihr Eigenes haben sie zwar auch, aber sie dürfen keinen Gebrauch davon machen, aus dem Grund, weil sie dem Menschen dienen sollen durch das Seinige, und aus mehreren anderen Gründen, auch würde eine sehr große Verwirrung entstehen, wenn die Geister aus ihrem Gedächtnis einfließen würden.
14. Gewisse Geister kamen zu mir herauf, die sagten, sie seien von Anfang an bei mir gewesen, da sie nicht anders wüßten; weil ich ihnen aber das Gegenteil bewies, gestanden sie endlich, sie seien jetzt erst gekommen, und weil sie den ganzen Inhalt meines Gedächtnisses aufgenommen hätten, so hätten sie es nicht anders wissen können; hieraus wurde auch klar, daß die Geister im Augenblick, wenn sie ankommen, alles Wißtümliche des Menschen als das ihrige anziehen; auch wenn mehrere Geister da sind, so zieht es ein jeder an, und ein jeder meint, es sei das seinige; diese Fähigkeit bekommt der Mensch sogleich nach dem Tod. Daher kommt es auch, daß gute Geister in der himmlischen Gesellschaft, in die sie kommen, alle Weisheit, die alle in jener Gesellschaft haben, anziehen und besitzen; denn von solcher Art ist die Gemeinschaft, und zwar [ist dies der Fall], obwohl sie im Leben des Leibes gar nichts von dem, was in der himmlischen Gesellschaft gesprochen wird, gewußt hatten; dieses geschieht, wenn sie im Guten der Liebtätigkeit in der Welt gelebt hatten; das Gute bringt das mit sich, daß ihm das Ganze der Weisheit angeeignet werden kann; denn im Guten selbst liegt dies als Anlage verborgen; daher wissen sie nun gleichsam von selbst, was ihnen im Leben des Leibes unbegreiflich, ja unaussprechliche war.
15. Die
Geister, welche beim Menschen sind, nehmen auch seine Überzeugung an, mögen
sie beschaffen sein, wie sie wollen; dies ist mir durch viele Erfahrung bestätigt
worden; somit nehmen sie die Ansichten des Menschen nicht nur in Betreff der bürgerlichen
und sittlichen Dinge an, sondern auch in Betreff der geistigen, welche dem
Glauben angehören. – Hieraus kann erhellen, dass die Geister bei denen,
welche in Ketzereien, Irrtümern und Täuschungen in Ansehung der Wahrheiten des
Glaubens und im Falschen sind, sich in ebendemselben befinden, und keinen Finger
breit davon abgehen; der Grund davon ist, damit der Mensch in seiner Freiheit
verbleibe, und von keinem Eigenen des Geistes gestört werde.
16. Aus diesem wird offenbar, dass der Mensch, so lange er in
der Welt lebt, in Betreff seines Inwendigeren, somit in Betreff seines Geistes,
in Genossenschaft mit andern Geistern [ lebt ], und ihnen so beigesellt ist,
dass er nichts denken und nichts wollen kann, als mit ihnen zusammen, und dass
hierdurch sein Inneres in Verbindung steht mit der geistigen Welt, und dass er
nur so und nicht anders vom Herrn geführt werden kann. Wenn der Mensch in`s
andere Leben kommt, kann er gar nicht glauben, dass ein Geist bei ihm gewesen
sei, geschweige einer aus der Hölle; deshalb wird demjenigen, der es wünscht,
die Gesellschaft der Geister gezeigt, in deren Genossenschaft er gewesen war,
und von welcher Sendlingsgeister bei ihm sich befunden hatte; nach einigen Zuständen,
die er zuerst durchlaufen muß, kehrt er zuletzt auch zu ebenderselben
Gesellschaft zurück, weil diese mit seiner Liebe, welche die Herrschaft bei ihm
erlangte, zusammengewirkt hatte; ich sah etliche Male, dass Solchen ihre
Gesellschaften gezeigt wurden.
17. Die Geister, welche beim Menschen sind, wissen nicht,
dass sie bei dem Menschen sind; dies wissen allein die Engel vom Herrn, denn sie
sind der Seele oder dem Geist desselben, nicht aber seinem Leibe beigesellt;
denn das jenige was aus den Gedanken zur Rede, und vom Willen zu Handlungen im Körper
bestimmt wird, geht kraft des allgemeinen Einflusses gemäß den Entsprechungen
mit dem Größten Menschen der Ordnung gemäß in die Handlung über; deshalb
haben die Geister, die beim Menschen sind, nichts damit zu schaffen; somit reden
sie nicht durch des Menschen Zunge [ das wäre Besessenheit ], auch sehen sie
nicht durch seine Augen, was in der Welt ist, auch hören sie nicht durch seine
Ohren, was daselbst vorgeht. Anders bei mir: denn der Herr hat mein Inneres geöffnet,
damit ich sehen könnte, was im andern Leben ist; daher wussten auch die
Geister, dass ich ein Mensch im Leibe sei, und es wurde ihnen die Fähigkeit
gegeben, durch meine Augen zu sehen, was in der
Welt war, und diejenigen zu hören, die mit mir im geselligen Umgang
redeten.
18. Wenn die bösen Geister inne würden, dass sie sich bei
einem Menschen befinden, und dass sie Geister seien, die von ihm gesondert sind,
und wenn sie in das, was seinem Leib angehört, einfließen könnten, so würden
sie ihn auf tausenderlei Arten zu verderben trachten, denn sie haben einen tödlichen
Haß gegen den Menschen; und weil sie wussten, dass ich noch im Leibe
befindlicher Mensch war, darum suchten sie fortwährend mich zu verderben, nicht
allein in Betreff des Leibes, sondern hauptsächlich in Betreff der Seele; denn
einen Menschen und Geist zu verderben, ist die eigentliche Lebenslust aller
derer, die in der Hölle sind; aber ich wurde fortwährend vom Herrn beschirmt.
Hieraus kann erhellen, wie gefährlich es für den Menschen ist, in einer
lebendigen Genossenschaft mit Geistern zu stehen, wenn er nicht im Guten des
Glaubens ist.
19. Weil die bösen Geister hörten, dass Geister beim
Menschen seien, meinten sie, sie könnten jene Geister und zugleich mit ihnen
die Menschen finden; sie versuchten es auch längere Zeit, aber umsonst; sie
hatten den Vorsatz, sie zu verderben; denn wie es die Lust und Wonne des Himmels
ist, dem Menschen Gutes zu tun, und zu seinem ewigen Wohl beizutragen, so ist es
umgekehrt die Lust der Hölle, dem Menschen Böses zu tun, und zu seinem ewigen
Verderben beizutragen; sie stehen somit im Gegensatz [ zu einander ].
20. Es war ein gewisser nicht böser Geist, welchem gestattet wurde, zu einem Menschen überzugehen, und von da aus mit mir zu reden; als er dahin kam, sagte er, es erscheine ihm etwas Schwarzes, Unbeseeltes, oder wie eine schwarze leblose Masse; es war dies das leibliche Leben jenes Menschen, welches zu erblicken ihm gestattet war. Es wurde gesagt, dass das leibliche Leben eines Menschen, der im Guten des Glaubens stehe, wenn es erblickt werden darf, nicht als schwarz, sondern wie von Holz und holzähnlicher Farbe erscheine. Das gleiche durfte ich durch eine andere Erfahrung vernehmen; ein böser Geist wurde in den Zustand des Leibes versetzt, nämlich dadurch, dass er aus den Sinnen-Empfindungen des Leibes, somit aus dem äußeren Gedächtnis denken durfte; da erschien mir derselbe ebenfalls als eine schwarze, leblose Masse; ebenderselbe sagte, als er wieder in seinen vorigen Zustand gebracht war, er habe gemeint, er sei im Leben des Leibes gewesen. Überhaupt können die Geister nicht in das Leibliche des Menschen hineinblicken; denn das Leibliche des Menschen ist in der Welt und in ihrem Lichte, und wenn die Geister in das blicken, was dem Licht der Welt angehört, so erscheint ihnen das, was dort ist, als lauter Finsternis.
21. Es ist oben gezeigt worden, dass bei einem jeden Menschen
zwei Geister aus der Hölle sind und zwei Engel aus dem Himmel, welche bewirken,
dass nach beiden Seiten hin Verbindung stattfindet, und auch, dass der Mensch in
Freiheit ist. Dass es zwei sind, hat seinen Grund darin, dass es zwei Arten von
Geistern in der Hölle gibt und zwei Arten von Engeln im Himmel, denen die zwei
Vermögen im Menschen entsprechen, nämlich das Willens- und Verstandesvermögen;
die erste Art der Geister wird einfach Geister genannt, und diese wirken auf das
Verstandesgebiet ein; die von der anderen Art werden Genien genannt, und wirken
auf das Willensgebiet ein; für sie sind auch wirklich sehr verschieden von
einander; denn diejenigen, welche einfach Geister genannt werden, flößen
Falsches ein; sie vernünfteln nämlich gegen das Wahre, und befinden sich in
dem Luftreize ihres Lebens, wenn sie machen können, dass das Wahre wie Falsches
erscheint und das Falsche wie Wahres; diejenigen aber, welche Genien genannt
werden, flössen Böses ein; sie wirken auf die Neigungen und Begierden des
Menschen, und spüren augenblicklich, was der Mensch wünscht; wenn es Gutes
ist, so wenden sie es auf das Geschickteste zum
Bösen; sie sind in dem Luftreize ihres Lebens, wenn sie bewirken können,
dass das Gute wie Böses empfunden wird, und das Böse wie Gutes. Es wurde ihnen
erlaubt, auf meine Wünsche einzuwirken, damit ich erkennen möchte, wie sie von
Natur beschaffen sind, und wie sie wirken, und ich kann wohl gestehen dass, wenn
der HErr mich nicht durch Engel behütet hätte, sie dieselben in Begierden des
Bösen verkehrt haben würden, und zwar auf so verborgene und heimliche Weise,
dass ich kaum etwas bemerkte. Diejenigen,
welche Genien genannt werden, haben auch nichts gemein mit denen, welche Geister
genannt werden, jene, oder die Genien, bekümmern sich nicht darum, was der
Mensch denkt, sondern nur, was er liebt; diese aber, oder die Geister, bekümmern
sich nicht darum, was der Mensch liebt, sondern nur, was er denkt; jene, oder
die Genien, setzen ihren Luftreiz in das Schweigen, diese aber, oder die
Geister, in das Reden; sie sind auch durchaus von einander getrennt; die Genien
sind in den Höllen tief unten an der Rückseite, und hier den Geistern
unsichtbar; wenn aber hineingeschaut wird, dann erscheinen sie wie Schatten,
welche herumflattern; die Geister aber sind in den Höllen an den Seiten und
nach vorne; daher kommt es nun, dass bei dem Menschen je zwei Geister aus der Hölle
sind.
22. Daß je zwei Engel bei einem jeden Menschen sind, kommt
daher, weil es auch von ihnen zwei Arten gibt; eine, welche auf das
Willensgebiet, und eine, welche auf das Verstandesgebiet des Menschen einwirkt.
Diejenigen, welche auf das Willensgebiet des Menschen einwirken, haben Einfluß
auf seine Neigungen und Zwecke, folglich auf sein Gutes; die aber, welche auf
sein Verstandesgebiet einwirken, beeinflussen seinen Glauben und seine Grundsätze,
folglich sein Wahres; auch sie sind unter sich höchst verschieden; diejenigen,
welche auf das Willensgebiet des Menschen einwirken, werden Himmlische genannt,
und diejenigen, welche auf sein Verstandesgebiet, Geistige, den Himmlischen sind
die Genien und den Geistigen die Geister entgegengesetzt. Dies ist mir aus
vieler Erfahrung zu wissen gegeben worden; denn ich bin mit beiden Arten beständig
in Gesellschaft und Unterredung.
23. Der Mensch, der im Glauben steht, glaubt, es seien nur
Engel aus dem Himmel bei ihm, und die teuflischen Geister seien ganz und gar von
ihm entfernt; aber ich kann versichern, dass
bei einem Menschen, der in den Begierden der Selbst- und Weltliebe ist,
und diese bei sich zum Zweck macht, so nahe sind, dass sie in ihn sind, und
sowohl seine Gedanken, als seine Neigungen beherrschen; die Engel aus dem Himmel
können durchaus nicht innerhalb der Sphäre solcher [Geister] sein, sondern außerhalb;
deswegen weichen auch die Engel zurück, sobald die höllischen Geister näher
herantreten; aber gleichwohl entfernen sich die Engel aus dem Himmel keineswegs
ganz von dem Menschen, denn dann wäre es um ihn geschehen, weil er, wenn er
ohne Gemeinschaft mit dem Himmel durch die Engel wäre, nicht leben könnte. Daß
höllische Geister und himmlische Engel bei dem Menschen sind, geht auch
einigermaßen aus der Glaubenslehre der Christlichen Kirchen hervor; denn die
Lehre [derselben] sagt, alles Gute sei von Gott und das Böse vom Teufel; und
die Prediger bestätigen es dadurch, dass sie auf den Kanzeln bitten, Gott möge
ihre Gedanken und ihre Worte lenken, und dass sie sagen, in der Rechtfertigung
sei alles bis auf das Kleinste der Willensbestrebungen von Gott; ferner [sagen
sie], wenn ein Mensch gut lebt, er lasse sich von Gott führen; und es würden
Engel von Gott ausgesandt, um dem Menschen zu dienen; und wiederum, wenn ein
Mensch etwas auffallend Böses verübt hat, sagen sie, er habe sich vom Teufel führen
lassen, und solches Böse stamme aus der Hölle; sie würden auch sagen, dass
die Geister von der Hölle in das inwendigere Böse einfließen, welches dem
Willens- und Gedankengebiete angehört, wenn sie dieses Böse als ein so großes
anerkennen würden.
24. Die Engel beobachten sorgfältig und fortwährend, was
die bösen Geister und Genien bei dem Menschen beabsichtigen und vorhaben; und
soweit es der Mensch gestattet, lenken sie das Böse in Gutes, oder zum Guten,
oder gegen das Gute hin.
25. Es erscheint bei den höllischen Geistern bisweilen Hässliches
und Abscheulisches, und gewöhnlich Solches, was der böse Mensch denkt und
redet; damit die Engel wegen dergleichen Dinge nicht völlig entfliehen, nehmen
sie das Hässliche und Abscheuliche bei jenen in einer milden Form wahr, als es
an sich ist. Damit ich wissen möchte, wie solches von den Engeln wahrgenommen
wird, wurde mir die Wahrnehmung der Engel mitgeteilt, als hässliche Dinge sich
zeigten, sie war von der Art, dass ich keinen Schauder fühlte; jene Dinge waren
in etwas Mildes verwandelt, das sich nicht beschreiben lässt; es war nur zu
vergleichen mit Eckigem und Stechendem [nämlich] wie dieses beschaffen ist,
wenn man das Eckige und Stechende weggenommen hat; in dieser Weise wird das Hässliche
und Abscheuliche der höllischen Geister und Genien bei den Engeln abgeschwächt.
26. Der HErr stellt
den Menschen ins Gleichgewicht zwischen dem Bösen und Guten, und zwischen dem
Falschen und Wahren, durch die bösen Geister von der einen Seite und durch
die Engel von der andern, damit der Mensch in Freiheit sei; denn um selig
werden zu können, muß der Mensch in Freiheit sein, und in Freiheit vom Bösen
abgelenkt und zum Guten hingeführt werden; Alles, was nicht in Freiheit
geschieht, bleibt nicht, weil es nicht angeeignet wird; jene Freiheit infolge
des Gleichgewichts in welchem die Menschen gehalten werden.
27. Daß der Mensch durch die beiden Geister und durch die
beiden Engel Verbindung mit der Hölle und mit dem Himmel hat, kann daraus
erhellen, dass im andern Leben keine Gesellschaft mit der andern oder mit irgend
Jemand Gemeinschaft haben kann, außer durch Geister, die von ihnen ausgesandt
werden; diese ausgesandten Geister werden Träger [subjecta] genannt, denn durch
sie reden sie wie durch (vermittelnde) Organe. Solche Träger zu andern
Gesellschaften zu senden, und sich so eine Gemeinschaft zu verschaffen, gehört
im andern Leben zu den gewöhnlichen Dingen, und wurde mir dadurch ganz bekannt,
dass sie tausendmal zu mir gesandt wurden, und weil sie ohne dieselben nicht
wissen konnten, was bei mir vorging, und mir nichts mitteilen konnten von dem,
was bei ihnen war. Hieraus kann man ersehen, dass die Geister und Genien bei dem
Menschen nichts Anderes sind als solche Träger (oder Sendlinge), durch welche
eine Verbindung mit der Hölle stattfindet, und dass die himmlischen Engel und
Geister solche Träger sind, durch welche eine Verbindung mit dem Himmel
stattfindet.
28. Wenn die Geister, welche in der geistigen Welt sind,
Gemeinschaft mit mehreren Gesellschaften haben wollen, pflegen sie Träger (oder
Sendlinge) auszusenden, und zwar Einen zu einer jeden; und ich habe bemerkt,
dass die bösen Geister Mehrere ringsumher ausschickten, und sie so aufstellen
wie die Spinne ihre Netze, und in der Mitte derselben sind diejenigen, welche
ausschicken; und worüber ich mich wunderte, sie wissen dieses wie aus einem
gewissen Instinkt zu tun; denn auch diejenigen, welche nichts von solchen Dingen
bei Leibesleben gekannt hatten, tun alsbald dergleichen im andern Leben. Hieraus
kann man auch ersehen, dass die Mitteilungen durch (solche) abgesandte Geister
geschehen.
29. In einem solchen Träger oder Sendling konzentrieren sich
die Gedanken und Reden Vieler, und auf diese Weise stellen Mehrere sich als
Einer dar; und weil der Sendling gar nichts aus sich denkt oder redet, sondern
aus Andern, und die Gedanken und Reden der Andern sich in ihm ganz genau
darstellen, deshalb meinen diejenigen, welche einfließen, dass ihr Träger
gleichsam wie Nichts, und kaum wie etwas Beseeltes sei, sondern bloß ein
Aufnahmegefäß ihrer Gedanken und Reden; der Sendling dagegen meint, dass er
nicht aus Andern, sondern allein aus sich denke und rede; so haben auf beiden
Seiten die Täuschungen ihr Spiel. Es wurde mir öfters gestattet, einem solchen
Sendling zu sagen, dass er nichts aus sich denke und rede, sondern aus Andern;
und auch, dass die Andern meinen, ihr Abgesandter könne nichts aus sich denken
und reden, und erscheine ihnen somit als Einer, in dem gar kein eigenes Leben
sei; als er dies hörte, wurde der Sendling sehr entrüstet; damit er aber von
der Wahrheit überzeugt würde, wurde (mir) gestattet, mit den Geistern zu
reden, welche einflossen, und diese gestanden es und sagten, dass ihr Sendling
durchaus nichts aus sich denke und rede, und dass er ihnen daher kaum als etwas
Belebtes erscheine. Einstmals geschah es auch, dass Einer, welcher sagte, der
Sendling sei nichts, selbst ein Träger (oder Sendling) wurde, und dann sagten
die Anderen auch von ihm, dass er nichts sei, worüber er sehr zornig wurde;
gleichwohl aber wurde er dadurch belehrt, wie sich die Sache verhalte.
30. Merkwürdig ist auch, was öfter geschah, und dann auch
(mir) gezeigt wurde, dass Niemand weder im Himmel, noch in der Hölle aus sich
denkt, redet, will und handelt, sondern aus Andern, und so zuletzt Alle und
Jeder aus dem allgemeinen Einfließen des Lebens, welches vom Herrn (ausgeht).
Wenn ich hörte, wie sie sagten, dass ein Sendlingsgeist (subjectum) nichts aus
sich denke und rede, und dass derselbe gleichwohl glaube, er tue es nur aus
sich, wurde mir öfters gegeben, mit denen zu reden, welche in den Sendling (Träger)
einflossen; diese behaupteten, sie dächten und redeten aus sich, nicht
aber jener Sendling, und weil sie bei dieser Meinung blieben, wurde mir
auch gegeben, ihnen zu sagen, dass dies eine Täuschung sei, und dass sie ebenso
wie die Sendlinge aus Andern dächten und redeten; um diese Behauptung zu bestätigen,
durfte ich auch mit denen reden, welche in diese einflossen; und da auch diese
dasselbe bekannten, auch mit denen, die wiederum in diese (einflossen) u.s.f. in
zusammenhängender Reihe, Hieraus wurde dann klar, dass ein Jeder aus Andern
dachte und redete; über diese Erfahrung wurden die Geister sehr entrüstet,
denn ein Jeder von ihnen will, dass er aus sich denke und rede; aber weil sie
dadurch belehrt wurden, wie die Sache sich verhalte, so wurde ihnen gesagt, dass
alles Denken und Wollen einfließe, weil es nur ein einziges Leben gebe, aus dem
diese Vermögen stammen, und dass es vom Herrn einfließe durch eine
bewunderungswürdige Form, welches die himmlische Form sei; nicht nur auf
allgemeine Weise in Alle, sondern auch in besonderer Weise in die Einzelnen, und
dass es überall verschieden sei gemäß der Form eines jeden Individuums, je
nachdem dieselbe mit der himmlischen Form übereinstimme, oder nicht. Hieraus
kann man auch erkennen, wie es sich mit dem Menschen verhält, worüber im
Folgenden, wo vom Einfließen (die Rede sein wird).
31. Je Mehrere es sind, welche ihren Blick auf einen Träger
(oder Sendling) richten, desto stärker wird die Kraft desselben zu denken und
zu reden, denn die Kraft steigert sich mit der Menge der in gleicher Absicht auf
ihn gerichteten Blicke; dies wurde mir auch gezeigt durch die Entfernung
Einiger, welche einflossen, in dem dann die Kraft des Sendlings zu denken und zu
reden vermindert wurde.
32. Es waren (einst) solche Sendlinge bei mir neben meinem
Haupte, welche redeten, als ob sie im Schlafe wären; dennoch aber redeten sie
ebenso gut wie Solche, welche nicht in dem Zustande des Schlafes sind; ich
beobachtete, dass böse Geister in diese Sendlinge mit boshaften Ränken
einflossen, dass aber dieser Einfluß bei ihnen sogleich wieder gestreut wurde;
und weil sie wussten, dass dieselben früher ihre Träger gewesen waren,
beklagten sie sich, dass sie es nicht mehr wären; der Grund war, weil jetzt,
wenn sie im Schlafe waren, gute Geister auf sie einwirken konnten, und so durch
ihren Einfluß die Bosheit der bösen
Geister vereitelt wurde. Gleichwohl aber wurden die bösen Geister gezwungen, in
diese und nicht in andere einzufließen. Hieraus erhellt, dass es
Sendlings-Geister von verschiedener Art und Beschaffenheit gibt, und dass Veränderungen
und Wechsel eintreten, je nach der Anordnung des Herrn.
33. Die Arglistigsten, welche über dem Haupte waren, nahmen
sich einst Sendlinge und schickten sie zu mir, damit sie mit ihren Ränken
einfließen könnten; aber sie irrten sich sehr; der Eine drehte sich, als er
zum Sendling bestimmt wurde, rückwärts und beschloß sich, und umgab sich
gleichsam mit einer Umhüllung, um auf diese Weise ihren Einfluß von sich
abzuhalten; und so machte er sich von ihnen los. Hierauf nahmen sie einen
Andern, aber auch diesen konnten sie nicht zum Reden bringen; er war noch
listiger als sie, was er dadurch kund gab, dass er sich gleichsam in spiralförmigen
Windungen zusammenrollte; auf diese Weise wurden sie getäuscht. Übrigens
nehmen die bösen Geister ihre Träger nicht immer von ihren Genossen, sondern
merken darauf, welche Geister bei Andern sind, und wo sich Solche befinden, die
einfältig und gehorsam sind; diese machen sie dann zu ihren Trägern, und dies
geschieht dadurch, dass sie ihre Gedanken auf einen derselben richten, und ihm
ihre Neigungen und Selbstberedungen einflößen; hierdurch wird er seiner Selbständigkeit
beraubt, und dient ihnen als Träger; und auch dies weiß er oft nicht.
34. Es gibt heutzutage sehr viele Geister, welche nicht nur
in die Gedanken und Neigungen des Menschen einfließen wollen, sondern auch in
die Reden und Handlungen, also auch in seine körperlichen Dinge; während doch
das Körperliche von dem besondern Einfluß der Geister und Engel frei ist, und
durch den allgemeinen Einfluß regiert wird; wenn das Gedachte in die Rede, und
das Gewollte in die Handlungen ausläuft, so geht dieser Ausgang und Übergang
in den Körper gemäß der Ordnung vor sich, und wird nicht durch irgend welche
Geister im Besonderen regiert; denn in das Körperliche eines Menschen einfließen,
heißt, ihn in Besitz nehmen. Die Geister, welche dies wollen und beabsichtigen,
sind solche, welche bei Leibesleben Ehebrecher waren, d.h. ihre Freude an Ehebrüchen
hatten, und sich beredeten, sie seien erlaubt; ferner auch Solche, die grausam
waren; der Grund ist, weil diese und jene mehr als die Übrigen körperhaft und
sinnlich sind, und jeden Gedanken an den Himmel zurückgewiesen haben, indem sie
Alles der Natur und nichts dem Göttlichen zuschrieben; auf diese Weise haben
sie ihr Inneres verschlossen, und das Äußere geöffnet; und weil sie in der
Welt allein in der Liebe zu diesem ( Äußerlichen ) waren, deshalb ergreift sie
in dem andern Leben das Verlangen, wieder in dasselbe zurückzukehren, und zwar
vermittelst eines Menschen, indem sie denselben in Besitz nehmen; aber es wird
vom Herrn Vorsorge getroffen, dass Solche nicht in die Welt der Geister kommen;
sie werden in ihren Höllen wohl verschlossen gehalten; daher gibt es heutzutage
keine äußerlichen Besessenheiten, wohl aber gibt es innere, und sogar durch
die höllische und teuflische Rotte; denn die bösen Menschen denken dinge,
welche abscheulich sind, und auch Grausames gegen Andere, wie auch Feindliches
und Boshaftes gegen das Göttliche, und würden diese Gedanken nicht durch die
Furcht vor Verlust der Ehre, des Gewinnes, des guten Mannes, vor den Strafen
nach dem Gesetze und vor dem Verlust des Lebens in Schranken gehalten, so würden
sie offenbar hervorbrechen, und dann würden solche (Menschen) mehr als die
Besessenen auf das Verderben Anderer ausgehen, und in Lästerungen ausbrechen
gegen das, was Sache des Glaubens ist; aber jene äußeren Bande machen, dass
sie nicht als Besessene erscheinen, während sie es doch sind in Ansehung ihres
Inneren, nicht aber in Ansehung ihres Äußeren; und dies zeigt sich auch
deutlich bei Solchen im andern Leben, wo die äußeren Bande weggenommen werden;
dann sind sie Teufel, beständig in der Lust und Begierde, Andere zu verderben,
und Alles zu zerstören, was dem Glauben angehört.
35. Es erschienen mir Geister, welche man Körperhafte nennen
darf; sie fliegen aus der Tiefe hervor an der Seite der Fußsohle des rechten Fußes;
vor dem Blicke meines Geistes erschienen sie wie in einem groben Körper; und
als ich fragte, wer sie wären, die so beschaffen seien, wurde mir gesagt, es
seien Solche, die in der Welt durch ihre Geistesgaben und durch ihre Kenntnis
der Wissenschaften sich ausgezeichnet hätten; durch diese aber hätten sie sich
völlig gegen das Göttliche begründet, somit auch gegen das, was der Kirche
angehört, und weil sie sich völlig beredeten, dass Alles der Natur angehöre,
so verschlossen sie mehr als Andere ihr Inneres, somit das, was dem Gebiete des
Geistes angehört; daher erscheinen sie grob körperlich. Unter ihnen war Einer,
welcher mir, als er in der Welt lebte, bekannt war; derselbe war damals wegen
seiner geistigen Begabung und Gelehrsamkeit sehr berühmt; aber die
(Kenntnisse), welche Mittel sein sollen, um gut über das Göttliche zu denken,
waren für ihn Mittel, um gegen dasselbe zu denken, und sich zu bereden, dass es
nichts damit sei, denn wer viel Scharfsinn und Gelehrsamkeit besitzt, hat mehr
(Scheingründe) als Andere, durch welche er sich in seiner Meinung bestärkt;
daher war derselbe innerlich besessen, im Äußeren aber erschien er als ein
artiger und wohlgesitteter Mensch.
36. Die Engel, durch welche der HErr den Menschen führt und
auch beschützt, sind dem Haupte nahe; ihre Aufgabe ist es, Liebtätigkeit und
Glauben einzuflößen, und zu beobachten, wohin sich die Neigungen des Menschen
wenden, und dieselben, soweit es ihnen bei der Freiheit des Menschen möglich
ist, zu leiten und zum Guten
hinzulenken; es ist ihnen verboten, gewaltsam zu Werke zu gehen und so die
Begierden und Grundsätze des Menschen zu brechen; wohl aber (dürfen sie es
tun) auf gelinde Weise; ihr Amt ist es auch, die bösen Geister, welche von der
Hölle sind, zu regieren, was in tausendfacher Weise geschieht; ich kann hiervon
nur Folgendes erwähnen: wenn die bösen Geister Böses und Falsches einflößen,
dann flößen die Engel Wahres und Gutes ein, durch welches, wenn es auch nicht
aufgenommen wird, jenes doch gemäßigt wird; die höllischen Geister greifen
beständig an, und die Engel beschützen: so ist die Ordnung; die Engel lenken
hauptsächlich die Neigungen, denn diese machen das Leben des Menschen aus und
auch seine Freiheit; ferner beobachten die Engel, ob sich Höllen öffnen,
welche früher nicht geöffnet waren und von welchen aus ein Einfließen bei dem
Menschen (stattfindet), was geschieht, wenn der Mensch sich zu neuem Bösen
hinreißen lässt; diese Höllen verschließen die Engel, soweit der Mensch es
zugibt, auch entfernen die Engel die Geister, wenn Einige von daher einzudringen
suchen; sie zerstreuen ferner die fremdartigen und neuen Einflüsse von denen Böses
bewirkt wird; hauptsächlich rufen die Engel das Gute und Wahre, welches bei dem
Menschen ist, hervor, und setzen es dem Bösen und Falschen entgegen, welches
die bösen Geister erregen; hierdurch ist der Mensch in der Mitte und fühlt
weder das Böse noch das Gute; und weil in der Mitte, so ist er auch in der
Freiheit, sich zu dem Einen oder zum Andern hinzuwenden; durch solche
(Einwirkung) führen und beschützen die Engel durch den HErrn den Menschen und
zwar in einem jeden Augenblick und in jedem Teil des Augenblickes; denn wenn die
Engel nur einen Augenblick nachließen, würde sich der Mensch in Böses stürzen,
aus dem er später gar nicht mehr herausgebracht werden könnte. Dies tun die
Engel aus Liebe, welche ihnen vom HErrn (verliehen ist), denn nichts gewährt
ihnen mehr Freude und Wonne, als Böses vom Menschen zu entfernen und ihn zum
Himmel zu führen; dass dies ihnen Freude macht, sehe man Luc. 15,7. Daß der
HErr eine solche Sorgfalt auf den Menschen verwendet, und zwar fortwährend, vom
ersten Anfang seines Lebens bis zum Ende, und hernach in Ewigkeit, glaubt kaum
irgend ein Mensch.
37. Hieraus kann nun erhellen, dass, damit eine Gemeinschaft
des Menschen mit der geistigen Welt bestehe, ihm zwei Geister aus der Hölle und
zwei Engel aus dem Himmel beigegeben sein müssen, und dass er ohne dieselben
gar kein Leben haben würde; denn der Mensch kann keineswegs aus dem allgemeinen
Einflusse leben, wie die unvernünftigen Tiere, und zwar aus dem Grunde, weil
sein ganzes Leben gegen die (göttliche) Ordnung ist; wenn derselbe bei diesem
Zustande allein von dem allgemeinen Einfluß in Tätigkeit gesetzt würde, so könnte
er nur von den Höllen angetrieben werden, nicht aber aus den Himmeln; und nicht
aus den Himmeln, so würde er kein inneres Leben haben, somit kein Leben des
Denkens und Wollens, wie es der Mensch hat, und nicht einmal, wie er das unvernünftige
Tier besitzt; denn der Mensch wird ohne jeden Gebrauch der Vernunft geboren und
kann in denselben nur durch den Einfluß aus den Himmeln eingeführt werden. Aus
dem Angeführten erhellt auch, dass der Mensch nicht leben könnte ohne
Verbindung mit den Höllen durch die Geister von daher; denn das ganze Leben,
welches er von den Eltern durch Vererbung besitzt, und Alles, was er aus dem
Eigenen hinzugefügt hat, gehört der Selbstliebe und Weltliebe an, nicht aber
der Liebe zum Nächsten, und noch weniger der Liebe zu Gott; und weil alles
Leben des Menschen aus dem Eigenen stammt, so ist es Selbstliebe und Weltliebe,
und somit auch Verachtung Anderer im Vergleich mit sich, und Haß und Rache
gegen Alle, welche ihn nicht begünstigen, und daher auch voller Grausamkeit;
denn wer Haß hegt, der begehrt zu töten, weshalb er auch über das Verderben
Anderer die höchste Freude empfindet, wenn dieses Böse nicht mit solchen
Geistern in Verbindung gebracht würde, welche nur aus der Hölle stammen können,
und der Mensch durch sie nicht nach dem Lustreiz jenes Lebens geführt würde,
so könnte er in keiner Weise zum Himmel hingeleitet werden; er wird aber im
Anfang durch seine eigenen Lustreize hingelenkt, und durch dieselben wird er
auch zur Freiheit gebracht, und zuletzt zur freien Wahl.
38. Von dem Einfluß und von dem Verkehr der Seele mit dem Körper
kann man durchaus nichts wissen, nicht einmal darüber denken, wenn man weder
weiß, was die Seele ist, noch wie sie beschaffen ist; wenn die Seele als etwas
Unbekanntes erscheint, so kann man nichts von ihrem Einfluß und von ihrem
Verkehr (mit dem Leibe) sagen; denn wie kann man über die Gemeinschaft zweier
Teile denken, wenn man völlig, unwissend darüber ist, wie der eine Teil
beschaffen ist. Daß man die Seele in Ansehung ihrer Beschaffenheit, besonders
in der gelehrten Welt nicht kennt, kann daraus erhellen, dass Einige glauben,
sie sei etwas Ätherisches, Einige, etwas Flammiges oder Feuriges, Einige, eine
reine Denkkraft, Einige, etwas Lebendiges aus dem allgemeinen (Leben), Einige,
eine natürliche Tätigkeit;
und was eine noch größere Unwissenheit über das Wesen der Seele
bekundet, ist, dass sie ihr verschiedene Stellen im Körper anweisen, nämlich
Einige (glauben sie sei) im Herzen, Einige im Gehirn, und daselbst in den
Fibern, Andere in den gestreiften Körpern, Andere in den Vertiefungen desselben
(ventriculis), und Andere in einer kleinen Drüse, Einige in jedem Teile, und
dabei meinen sie etwas Lebendiges, wie es allem Belebten gemeinsam ist.
Hieraus erhellt, dass man von der Seele nichts Gewisses weiß; der Grund
davon ist, weil es nur lauter Mutmaßungen sind, welche man über die Seele zum
Besten gibt. Und weil man auf diese Weise sich keine Vorstellung von ihr machen
konnte, so vermochten sehr Viele nicht anders zu glauben, als dass sie nur
irgend eine Lebenskraft (vitale) sei, welche, wenn der
Körper stirbt, verschwinde; daher kömmt es nun, dass die Gelehrten
weniger als die Einfältigen an ein Leben nach dem Tode glauben, und weil sie
nicht daran glauben, so können sie auch nicht an das glauben, was sich auf
jenes Leben bezieht, nämlich an die himmlischen und geistigen Dinge des Weisen
und Verständigen, und geoffenbart den Unmündigen“, Kap. 11,25. und wiederum:
„ Mit sehenden Augen sehen sie nicht, und mit hörenden Ohren hören sie
nicht, auch verstehen sie nicht“, 13,13; denn die Einfältigen denken nichts
dergleichen von der Seele, sondern glauben, dass sie nach dem Tode leben werden,
und in diesem einfältigen Glauben liegt, ohne da sie es wissen (der Gedanke),
dass sie dort als Menschen fortleben, die Engel sehen, mit ihnen reden und
(ewige) Freude genießen werden.
39. Was die Seele anbelangt, von welcher man sagt, dass sie
nach dem Tode fortleben werde, so ist sie nichts anderes, als der Mensch selbst,
der im Körper lebt, d.h. der Innere Mensch, der durch den Körper in der Welt tätig
ist und dem Körper Leben gibt; dieser Mensch wird, wenn er von seinem Körper
abgelöst ist, Geist genannt, und erscheint dann völlig in menschlicher
Gestalt; er kann aber keineswegs mit leiblichen Augen gesehen werden, sondern
nur mit den Augen des Geistes, und vor den Augen desselben erscheint er wie ein
Mensch in der Welt, und hat Sinne, nämlich Gefühl, Geruch, Gehör, Gesicht,
und zwar weit feiner als in der Welt; er hat Verlangen, Begierden, Wünsche,
Neigungen, Triebe, wie in der Welt, aber auf einer weiter höheren Stufe; er
denkt auch wie in der Welt, aber in vollkommenerer Weise, er redet mit Andern;
kurz, er ist dort wie in der Welt, und dies so sehr, dass, wenn er nicht darüber
nachdenkt, dass er im andern Leben ist, er nicht anders weiß, als dass er in
der Welt sei, was ich einige Male von den Geistern gehört habe; denn das Leben
nach dem Tode ist eine Fortsetzung des Lebens in der Welt; das also ist die
Seele des Menschen, welche nach dem Tode lebt; damit aber, in Folge der Mutmaßungen
oder Hypothesen bei dem Ausdruck „Seele“ sich nicht die Vorstellung als von
etwas Unbekanntem bilde, so ist es besser, wenn man sie den Geist des Menschen
nennt, oder, wenn man lieber will, den Inneren Menschen; denn dieser erscheint
dort völlig als ein Mensch, mit allen Gliedern und Organen, wie sie der Mensch
hat, und er ist auch im Körper der eigentliche Mensch; dass es so ist, kann man
aus den Erscheinungen der Engel erkennen, von denen im Worte (berichtet wird),
und welche alle in menschlicher Gestalt erschienen; denn alle Engel im Himmel
haben die menschliche Gestalt, weil sie der HErr Selbst hat, Welcher nach der
Auferstehung so oft als Mensch erschien; der Engel und der Menschengeist ist der
Mensch auch der Form nach, weil der ganze Himmel vom HErrn ein Streben nach der
menschlichen Form hat, weshalb der ganze Himmel der Größte Mensch genannt
wird, von welchem, wie auch von der Entsprechung Alles dessen, was in dem
Menschen ist, mit demselben am Ende mehrerer Kapitel gehandelt worden ist; und
weil der HErr in einem Leben im Himmel lebt, und durch den Einfluß vom HErrn
der ganze Himmel auf einen Jeden einwirkt, deshalb ist jeder Engel sein Bild,
d.h. die vollkommenste menschliche Form, und ebenso der Mensch nach dem Tode.
Alle Geister, so viele ich deren gesehen habe (und ihrer sind Tausend und
Abertausende), erschienen mir ganz und gar wie Menschen, und Einige von ihnen
sagten, sie seien Menschen wie in der Welt und fügten hinzu, dass sie dies bei
Leibesleben gar nicht geglaubt hätten; Viele betrübten sich, dass das
menschliche Geschlecht sich in solcher Unwissenheit über seinen eigenen Zustand
nach dem Tode befinde, und dass man so leer und gehaltlos über die Seele denke,
und dass die Meisten, welche tiefer über die Seele nachgedacht haben, sie zu
etwas feinem Ätherischen machten, woraus notwendig der unsinnige Irrtum habe
entstehen müssen, dass dieselben nach dem Tode sich verflüchtige.
40. Wer das Innere des Menschen nicht kennt, der kann auch den Einfluß und den Verkehr der Seele mit dem Körper nicht erkennen; denn dieser Verkehr und Einfluß geschieht durch das Inwendige. Um das Innere des Menschen zu erkennen, muß man wissen, dass es einen Innern und einen Äußern Menschen gibt, und dass der Innere Mensch in der geistigen Welt ist, der Äußere Mensch aber in der natürlichen Welt sich befindet; somit jener im Lichte des Himmels dieser im Lichte der Welt; ferner ist es auch notwendig zu wissen, dass der Innere Mensch so unterschieden ist vom Äußern, dass Jener, weil er der erstere und inwendigere ist, ohne diesen bestehen kann, dieser aber oder der Äußere, weil er der spätere und mehr äußerliche ist, nicht ohne jenen bestehen kann; ferner muß man wissen, dass es der Innere Mensch ist, welcher der Verständige oder Vernünftige im eigentlichen Sinn des Wortes genannt wird, weil er im Lichte des Himmels ist, in welchem Vernunft und Einsicht ist; aber der Äußere Mensch ist es, welcher recht eigentlich der Wissende (oder Wißtümliche) genannt werden muß, weil in ihm die wißtümlichen Kenntnisse sind, welche zum größten Teil ihr Licht aus den Dingen hernehmen, welche dem Lichte der Welt angehören, das vom Lichte des Himmels erleuchtet und dadurch lebendig geworden ist.
41. Es wurde gesagt, der Innere Mensch könne als der Erstere
(oder Frühere) bestehen ohne den Äußeren, weil dieser der spätere ist, aber
nicht umgekehrt; denn das ist eine allgemeine Regel, dass nichts aus sich
bestehen kann, sondern nur aus einem Andern und durch ein Anderes, und dass
folglich nichts in seiner Form erhalten werden kann außer aus einem Andern und
durch ein Anderes; und dies kann auch aus allem Einzelnen in der Natur erkannt
werden; ebenso verhält es sich bei dem Menschen, der Mensch kann in Ansehung
seines Äußern nur bestehen aus dem Innern und durch das Innere; und der Innere
Mensch kann nur bestehen aus dem Himmel und durch den Himmel; wie auch der
Himmel nicht bestehen kann aus sich, sondern
nur aus dem HErrn, Welcher Allein aus Sich besteht; je nach dem Entstehen und
Bestehen findet der Einfluß statt, denn durch den Einfluß bestehen alle Dinge;
dass aber vermöge des Einflusses Alles und Jedes durch den HErrn besteht, nicht
nur mittelbar durch die geistige Welt, sondern auch unmittelbar, sowohl in den
vermittelnden, als in den letzten Dingen, soll im Folgenden nachgewiesen werden.
42. Bevor etwas über den Einfluß und über die Wirksamkeit
der Seele auf den Körper mitgeteilt werden kann, muß man wohl beachten, dass
der Innere Mensch nach dem Bilde des Himmels und der Äußere nach dem Bilde der
Welt gestaltet worden ist, und zwar so sehr, dass der Innere Mensch ein Himmel
in kleinster Form ist, und der Äußere Mensch eine Welt in kleinster Form, als
ein Mikrokosmus. Daß der Äußere Mensch ein Bild der Welt ist, kann erhellen
aus den äußeren oder körperlichen Sinnen; denn das Ohr ist ganz gebildet nach
der Natur der Modifikation der Luft, die Lungen ganz nach der Natur des Druckes
derselben; wie auch der Umfang des Körpers, welcher vermöge des Luftdruckes in
seiner Form erhalten wird; das Auge ist ganz nach der Natur des Äthers und des
Lichtes gebildet, die Zunge ganz für das Gefühl der in flüssigen Körpern
aufgelösten und fließenden Teile, und zugleich mit der Lunge, der Luftröhre,
der Kehle, dem Zäpfchen, dem Schlund und den Lippen zu der Fähigkeit
(gebildet), die Luft zweckmäßig zu modifizieren, wodurch die artikulierten Töne
oder Worte und die harmonischen Töne (entstehen); die Nase ist gebildet für
das Gefühl der in der Atmosphäre schwebenden Teile; das Gefühl, welches den
ganzen Körper umgibt, zum Fühlen der Veränderungen im Zustande der Luft, nämlich
für das Gefühl ihrer Kälte und Wärme, sowie zum Fühlen des Flüssigen und
des Schweren; die innern Organe, zu welchen die Luftatmosphäre nicht eindringen
kann, werden in ihrem Zusammenhang und in ihrer Form durch eine feinere Luft
erhalten, welche Äther genannt wird; um nichts davon zu sagen, dass alle
Geheimnisse der innern Natur (dem Körper des Menschen gleichsam) eingeschrieben
und auf ihn angewandt sind, wie alle Geheimnisse der Mechanik, der Physik, der
Chemie und der Optik, hieraus kann erhellen, dass die ganze Natur zur Bildung
des Äußern im Menschen beitragen musste, und daher kommt es auch, dass die
Alten den Menschen eine Welt im Klein (Microcosmus) genannt haben. Sowie nun der
Äußere Mensch zum Bilde aller Dinge der Welt, so ist der Innere Mensch zum
Bilde aller Dinge des Himmels geformt, d.h. zum Bilde der himmlischen und
geistigen Dinge, welche vom HErrn hervorgehen, von welchen und in welchen der
Himmel ist; das Himmlische daselbst ist alles, was sich auf die Liebe zum HErrn,
und die Liebtätigkeit gegen den Nächsten bezieht, und das Geistige daselbst
ist Alles, was sich auf den Glauben bezieht; und beides ist an sich so wichtig
und von solcher Art, dass die Sprache nicht einmal den tausendsten oder
zehntausendsten Teil davon aussprechen kann. Daß der Innere Mensch zum Bilde
aller dieser Dinge gestaltet ist, zeigt sich deutlich an den Engeln, welche,
wenn sie vor dem innern Auge erscheinen, wie sie vor dem meinigen erschienen,
schon durch ihre Gegenwart das Innerste anregen; denn die Liebe zum HErrn und
die Liebtätigkeit gegen den Nächsten strömen aus ihnen hervor und dringen
sein, und was daraus hervorgeht, nämlich was Sache des Glaubens ist, leuchtet
aus ihnen hervor, und regt an; hieraus, wie auch aus anderen Beweisen wurde mir
klar, dass der Innere Mensch, weil zum Engel erschaffen, ein Himmel in kleinster
Form ist. Aus allem dem aber kann man nun erkennen, dass im Menschen, die
geistige Welt mit der natürlichen Welt verbunden ist, und dass folglich bei ihm
die geistige Welt in die natürliche Welt einfließt, und zwar so kräftig und
deutlich, dass er es innerlich wahrnehmen kann, wenn er nur darauf achtet;
daraus erhellt auch, was der Verkehr der Seele mit dem Körper sei, dass er nämlich
im eigentlichen Sinn des Wortes eine Gemeinschaft der geistigen Dinge ist,
welche dem Himmel angehören, mit den natürlichen, welche der Welt angehören,
und dass diese Gemeinschaft durch das Einfließen bewirkt werde und sich gemäß
der Verbindung verhalte. Diese Gemeinschaft, welche durch den Einfluß gemäß
der Verbindung bewirkt wird, ist heut zu Tage unbekannt, und zwar deshalb, weil
man Alles und Jedes der Natur zuschreibt, und nichts weiß vom Geistigen,
welches heut zu Tage so ferne liegt, dass es, wenn man auch daran denkt, als
etwas Richtiges erscheint.
43. Jener Einfluß
ist aber von solcher Art, weil vom Göttlichen des HErrn ein Einfluß auf jeden
Engel, auf jeden Geist und auf jeden Menschen stattfindet, und auf diese Weise
der HErr einen jeglichen nicht nur im Allgemeinen, sondern auch im
Allereinzelnsten regiert, und zwar unmittelbar aus Sich Selbst und auch
mittelbar durch die geistige Welt. Damit man wisse, was dieser Einfluß sei,
wurde Mehreres zuvor bekannt gegeben, nämlich von der Entsprechung der
(einzelnen) Teile des Menschen mit dem Größten Menschen, d.h. mit dem Himmel
und zugleich auch von der Vorbildung der geistigen Dinge in den natürlichen,
und dann auch von den Engeln und Geistern bei dem Menschen. Es folgt hieraus,
dass nun auch im Besondern von dem Einfluß und von dem Verkehr der Seele mit
dem Körper gehandelt werden muß; allein dies muß durch Erfahrungen erläutert
werden; sonst kann dieser so unbekannte und durch bloße Hypothesen in Dunkel
gehüllte Gegenstand nicht gehörig beleuchtet werden.
44. Dass zwei Engel aus dem Himmel und zwei Geister aus der Hölle
bei dem Menschen sind, und dass er dadurch in Gemeinschaft mit beiden stehe, und
auch die Freiheit habe, sich zum Einen oder Andern hinzuwenden, wurde Ziffer 1
– 37 nachgewiesen; dass aber bei dem Menschen Alles und Jedes seiner Freiheit
gemäß einfließt, das Böse von der Hölle und das Gute aus dem Himmel, d.h.
durch den Himmel vom HErrn, weiß wohl der Mensch nicht und wird es deshalb wohl
kaum glauben.
45. Weil nun vom Einfluß gehandelt und derselbe so oft
genannt wird, so muß zuvörderst gesagt werden, was der Einfluß ist. Was unter
geistigem Einfluß verstanden wird, kann man nicht besser erkennen, als durch
die natürlichen Einflüsse, welche in der Welt bestehen und erscheinen, z.B.
durch das Einfließen der Wärme von der Sonne aus in alle Dinge der Erde, mit
aller Verschiedenheit je nach den Jahreszeiten und dem Klima der Erde; und durch
das Einfließen des Lichtes in eben dieselben, auch mit all seiner
Verschiedenheit je nach den Tages- und Jahreszeiten, und auf verschiedene Weise
je nach dem Klima. Aus dem Einfluß der Sonnenwärme auf alle Dinge der Erde,
wodurch das Pflanzenleben (entsteht), und aus dem Einfluß des Lichtes auf
dieselben, wodurch die Unterstützung dieses Lebens und auch die Farben und Schönheitserscheinungen,
ebenso aus dem Einfluß der gleichen Wärme auf die ganze Fläche unseres Körpers,
ferner des Lichtes in das Auge, desgleichen aus dem Einfluß des Schalles auf
das Ohr und aus anderm Ähnlichem kann man begreifen, was der Einfluß des
Lebens vom HErrn sei, welcher die Sonne des Himmels ist, von dem die himmlische
Wärme oder das Gute der Liebe, und das himmlische Licht oder das Wahre des
Glaubens ( ausgeht ); der Einfluß derselben wird auch deutlich empfunden; denn
die himmlische Wärme, welche die Liebe ist, bewirkt die Lebenswärme im
Menschen, und das himmlische Licht, welches der Glaube ist, bewirkt die Einsicht
desselben; denn das Wahre des Glaubens, welches vom HErrn hervorgeht, erleuchtet
sein Verstandesvermögen; aber beide (wirken) mit vieler Verschiedenheit, denn
sie verhalten sich gemäß der Aufnahme vom Menschen.
46. Daß der Mensch durch Engel und Geister vom HErrn regiert
wird, wurde mir aus so deutlicher Erfahrung zu wissen gegeben, dass (mir) darüber
nicht einmal der kleinste Zweifel blieb; denn alle meine Gedanken und alle meine
Neigungen bis auf das Allereinzelste sind nun schon seit vielen Jahren durch
vermittelnde Geister und Engel eingeflossen; dies wurde mir so
augenscheinlich zu empfinden gegeben, dass nichts augenscheinlicher sein kann,
denn ich wurde inne, sah und hörte, wer sie waren wie beschaffen und wo sie
waren; und wenn in mein Denken oder Wollen etwas Widriges eindrang, so sprach
ich darüber mit ihnen und machte ihnen Vorwürfe; auch habe ich bemerkt, dass
die Macht, solche Dinge einzuflößen, von den Engeln in Schranken gehalten
wird, wie auch öfters, dass sie entfernt wurden, und dass, wenn sie entfernt
waren, statt ihrer neue zugegen waren, von denen wiederum ein Einfluß ausging;
ferner wurde mir gegeben, wahrzunehmen, woher diese Geister, oder von welchen
Gesellschaften sie abgesandt waren; auch wurde mir oft gestattet, mit diesen
Gesellschaften selbst zu sprechen; und obgleich Alles bis auf das Einzelste
meiner Gedanken und Neigungen durch Geister und Engel einfloß, dachte und
wollte ich doch wie früher, und verkehrte mit den Menschen wie vorher; von
Niemand wurde irgend ein Unterschied von meinem frühern Leben bemerkt; wohl weiß
ich, dass kaum irgend Jemand dieses glauben wird, aber es ist dennoch eine ewige
Wahrheit.
47. Es wurde mir ganz deutlich gezeigt, auf welche Weise die
Geister bei dem Menschen einfließen; wenn sie zu ihm kommen, nehmen sie alle
Gegenstände seines Gedächtnisses in sich auf, somit Alles, was der Mensch von
Kindheit an gelernt und in sich aufgenommen hat, und die Geister weinen dann, es
sei ihr Eigentum; so spielen sie gleichsam die Rolle eines Menschen bei dem
Menschen; es ist ihnen aber nicht gestattet, weiter bei dem Menschen
einzudringen, als bis zu seinem Innern, welches das Gebiet seines Denkens und
Wollens ist, nicht aber zum Äußern, welches das Gebiet seiner Handlungen und
seiner Rede ist; denn diese erhalten ihre Tätigkeit durch den allgemeinen
Einfluß vom HErrn ohne besondere Vermittlung von Geistern und Engeln. Obgleich
aber die Geister in Betreff des Denkens und Wollens, wie ein Mensch bei dem
andern sind, so wissen sie dennoch nicht, dass sie sich bei dem Menschen
befinden, aus dem Grunde, weil sie alle Gegenstände seines Gedächtnisses inne
haben und glauben, dass dieselben nicht einen Andern gehören, sondern ihr
Eigentum sind, und auch deshalb, damit sie dem Menschen keinen Schaden zufügen;
denn wenn die Geister, die bei dem Menschen von der Hölle her sind, nicht
glaubten, dass jene Dinge ihr Eigentum seien, so würden sie auf alle Weise
versuchen, den Menschen an Leib und Seele zu verderben; denn das ist die
eigentliche Lust der Hölle.
48. Weil nun die Geister alles in Besitz haben, was dem
Denken und Wollen des Menschen angehört, und die Engel das, was noch tiefer in
demselben liegt, und der Mensch dadurch aufs Innigste mit ihnen verbunden ist,
deshalb kann der Mensch nicht anders wahrnehmen und fühlen, als dass er selber
es sei, welcher denkt und will; denn so verhält es sich mit den Mitteilungen im
anderen Leben; in einer Gesellschaft, wo Gleichgeartete sind, hält ein Jeder für
das Seinige, was dem Andern gehört; deshalb treten die Guten, wenn sie in eine
himmlische Gesellschaft kommen, sogleich in alle Einsicht und Weisheit dieser
Gesellschaft ein, und zwar so sehr, dass sie nicht anders wissen, als dass
dieselben in ihnen seien; so verhält es sich auch mit dem Menschen und mit dem
Geiste bei ihm. Was von den Geistern aus der Hölle einfließt, ist Böses und
Falsches, aber was von den Engeln aus dem Himmel ( einfließt ), ist Gutes und
Wahres; so wird also der Mensch durch entgegengesetzte
Einflüsse in der Mitte gehalten, somit in der Freiheit. Was von den Engeln
einfließt, erscheint, weil es durch das tiefere Innere ( eindringt ), weniger
vor dem äußern Sinn, als das, was von den bösen Geistern (kommt). Die Engel
sind auch wirklich von der Art, dass sie durchaus nicht hören wollen, dass der
Einfluß des Guten und Wahren von ihnen sei, sondern dass er vom HErrn stamme,
sie werden unwillig, wenn man anders denkt, denn sie stehen in dem deutlichen
Innewerden, dass es wirklich so ist, und sie lieben nichts mehr, als nichts aus
sich zu wollen und zu denken, sondern aus dem HErrn; die bösen Geister dagegen
werden zornig, wenn ihnen gesagt wird, dass sie nicht aus sich denken und
wollen, weil dies gegen den Lustreiz ihrer Triebe ist, und mehr noch, wenn ihnen
gesagt wird, dass das Leben nicht in ihnen sei, sondern dass es einfließe; wenn
ihnen dieses durch lebendige Erfahrung bewiesen wird ( was oft geschieht ), dann
gestehen sie zwar, dass es so ist, denn sie können nicht gegen die Erfahrung
reden, aber nach einer Weile leugnen sie es, und wollen dann auch nicht, dass es
noch weiter durch Erfahrung bestätigt werde.
49. Einigemale kam es vor, dass ich bei mir selbst dachte,
oder auch mit andern redete, ohne darüber nachzudenken, dass Geister gegenwärtig
seien, welche anregten, aber alsbald redeten die Geister mich an, und
schilderten den Zustand, in dem sie sich gerade befanden, dass sie nämlich
nicht anders wussten, als dass sie selbst es wären, welche dachten, und zwar
bei mir in solcher Weise, dass die, welche am nächsten waren, völlig glaubten,
sie wären es, welche dachten, die Entfernteren aber weniger, und die weiter
Entfernten noch weniger; auch wurde mir gezeigt, welche Gesellschaften in diese
Geister als in ihre Gesandten einflossen.
50. Es waren lange Zeit Geister bei mir, nicht sehr gute und
auch nicht sehr böse, ein wenig über dem Haupte; sie konnten tief in die
Neigungen einfließen, und weil sie dies wollten, traten sie auch nach einer
Weile ein, und verbanden sich so mit mir, dass es schien, als ob sie kaum
getrennt werden könnten; ich sprach mit ihnen hierüber, und dass sie sich
trennen müssten, aber sie konnten nicht; wenn sie es versuchten und sich ein
wenig absonderten, machten sie meine Gedanken so schwach, dass ich nur verwirrt
und unzusammenhängend denken konnte, und in meinem Kopfe fühlte ich einen
Schmerz, wie diejenigen, welche in Ohnmacht fallen. Hieraus wurde mir klar, auf
welche Weise die inneren Triebe (amores) eine Verbindung bewirken, und dass
durch sie die Verbindung Aller im andern Leben stattfindet; deswegen nehmen die
Geister, welche in die Neigungen selbst eindringen, den Andern in Besitz, wie es
auch in der Welt geschieht, wenn der Mensch die Liebe eines Anderen begünstigt;
die Wahrheiten aber verbinden nicht, sondern die Neigungen zum Wahren. Daraus
konnte ich erkennen, wie der Mensch entweder mit dem Himmel oder mit der Hölle
verbunden wird, dass es nämlich durch die verschiedenen Arten der Liebe
geschieht, durch die Selbstliebe und Weltliebe mit der Hölle, aber durch die
Liebe zum Nächsten und zu Gott mit dem Himmel. Ferner wurde mir auch klar, dass
ein Mensch, der mit der Hölle verbunden ist, durchaus nicht von derselben
losgemacht werden kann, außer durch göttliche Mittel vom HErrn, und dies wurde
mir durch diejenigen gezeigt, welche nur durch leichte Neigungen mit mir
verbunden waren; ich konnte von ihnen nicht anders befreit werden als durch
vermittelnde Liebesarten, durch die ich mit andern stufenweise verbunden wurde;
und so wie sie abgesondert wurden, schienen sie sich von mir links nach vorne zu
entfernen, und es wurde bemerkt, dass die Trennung durch Zustandswechsel der
Neigungen eintrat; denn wie die Neigungen sich änderten, so wichen sie zurück.
Hieraus erhellt auch, woher die scheinbaren Entfernungen im andern Leben
stammen.
51. Daß die Geister dem Menschen zugesellt werden je nach
seinen inneren Trieben, ist mir aus vielfacher Erfahrung bekannt geworden;
sobald ich anfing etwas heftig zu lieben, traten Geister zu mir, die in gleicher
Liebe waren, und wurden nicht eher entfernt, als bis die Liebe aufhörte.
52. So oft etwas in meine Gedanken und in das Verlangen
meines willens kam, wovon ich nicht wusste, woher es kam, wurde mir, wenn ich es
zu wissen wünschte, gezeigt, woher es kam, nämlich von welchen Gesellschaften,
und bisweilen sogar durch welche abgesandte Geister; und dann sprachen sie auch
mit mir und bekannten, die Arglistigen, welche grade über dem Haupte
erscheinen, flossen bisweilen so unmerklich bei mir ein, dass ich nicht wusste,
woher es kam, und kaum anders fühlte, als dass, was einfloß, in mir und von
mir sei (wie dies bei andern gewöhnlich ist); weil ich aber mit Gewissheit
wusste, dass es irgend woher kam, wurde mir ein so feines Innewerden vom HErrn
gegeben, dass ich ihren Einfluß im einzelnen bemerkte, und auch wo sie waren
und welcher Art sie waren. Als sie dies bemerkten, wurden sie sehr unwillig,
besonders darüber, dass ich über das nachdachte, was von ihnen kam; dieses
Nachdenken floß durch Engel ein. Diese Arglistigen flößten besonders solche
Dinge ein, welche gegen den HErrn waren, und dann wurde mir auch gegeben, darüber
nachzudenken, dass Niemand in der Hölle den HErrn anerkennt, sondern dass sie
gegen Ihn soviel Schmähungen ausstoßen, als ihnen gestattet wird; dass sie
aber nicht ungerne hören, wenn man den Vater den Schöpfer des Weltalls nennt;
hieraus konnte ich als aus einem sehr deutlichen Zeichen erkennen, dass der
HErr es ist, welcher den ganzen Himmel regiert, wie Er Selbst bei Matthäus
lehrt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“, 28,18; und
dass sie sich dem HErrn feindlich entgegenstellen, weil sie mit dem Himmel im
Gegensatz stehen, wo der HErr Alles in Allem ist.
53. Es waren Geister bei mir, welche meinten, dass sie selbst
es wären, welche lebten, und mein Leben komme nur von ihnen her, sodaß sie
mein eigenes Ich wären; als ihnen aber gesagt wurde, dass die Geister getrennt
seien, und dass auch ich ein Geist sei in Ansehung meines Innern, konnten sie es
nicht glauben; damit sie es erkannten, wurden sie abgesondert und ihnen gezeigt,
dass die Geister für sich beständen; dennoch aber wollten sie es nicht glauben
und bestanden hartnäckig darauf; sie waren eine zeitlang entfernt, wenn sie
aber wiederkamen, waren sie in der gleichen Überzeugung. Auch hieraus kann
erhellen, dass die Geister nicht anders wissen, als dass, was bei dem Menschen
ist, das ihrige sei. Solche aber, die so hartnäckig diesen Glauben haben,
werden nicht leicht bei den Menschen zugelassen, weil sie nur mit Mühe getrennt
werden können; ein ähnliches ist zwar auch den andern Geistern eingepflanzt,
zu dem Ende, damit sie dem Menschen dienen können; aber doch mit Unterschied.
54. Auch ein anderer Geist meinte, er sei ich, und zwar so
sehr, dass er, wenn er mit mir in meiner Muttersprache redete, glaubte, er rede
in der seinigen, indem er sagte, diese Sprache sei die seinige; aber es wurde
ihm gezeigt, dass die den Geistern eigene Sprache eine völlig andere sei, und
dass es die allgemeine Sprache aller sei, und dass aus ihr die Vorstellungen in
meine Muttersprache einflößen, und sie (d.h. die Geister) auf diese Weise
nicht aus sich, sondern in mir redeten; und dies sei ein Zeichen, dass sie nicht
nur in das eindringen, was dem Menschen angehört, sondern auch, dass sie
meinen, es sei ihr Eigenes.
55. Weil ich nun schon neun Jahre lang fortwährend im Umgang
mit Geistern und Engeln gewesen bin, so habe ich sorgfältig beobachtet, wie es
sich mit dem Einfließen verhält. Wenn ich (über etwas) dachte, erschienen die
materiellen Vorstellungen des Denkens gleichsam in der Mitte einer Art von
Welle, und ich bemerkte, dass diese Welle nichts Anderes war, als Solches,
welches mit dem Gegenstande (meines Denkens) im Gedächtnis verbunden war, und
dass auf diese Weise den geistern der volle Gedanke erschien; dass aber alsdann
dem Menschen nichts Anderes zum Bewusstsein kommt, als was in der Mitte ist, und
wie etwas Materielles erschien; ich verglich jene Welle rings umher mit
geistigen Flügeln, durch welche der Gegenstand, welcher gedacht wird, aus dem
Gedächtnis erhoben wird; und dadurch erhält der Mensch die Wahrnehmung des
Gegenstandes. Daß in jenem ringsum wallenden Stoffe Unzähliges war, was mit
dem (gedachten) Gegenstande übereinstimmte, konnte ich daraus erkennen, dass
die Geister, welche in einer feinern Sphäre waren, aus derselben Alles
erkannten, was ich jemals über diesen Gegenstand gewusst hatte, und dass sie so
Alles vollständig erfassen und in sich aufnehmen, was Eigentum des Menschen
ist, aber die bösen Engel (genii), welche nur auf Begierden und Neigungen
achten, das, was den (herrschenden) Neigungen angehört. Zur Erläuterung möge
folgendes Beispiel dienen: Wenn ich an einen mir bekannten Menschen dachte, dann
stellte sich das Denkbild desselben , so wie es erscheint, wenn derselbe in
Gegenwart eines Menschen genannt wird, in der Mitte dar, aber ringsumher wie
etwas Wallendes und Schwebendes Alles das, was ich über ihn von
Kindheit an gewusst und gedacht hatte; dadurch erschien derselbe
augenblicklich bei den Geistern ganz so, wie er in meinen Gedanken und in meiner
Neigung lebte; auch wenn ich an eine Stadt dachte, dann wussten die Geister
augenblicklich aus jener ringsum wallenden Sphäre Alles, was ich gesehen hatte
und von derselben wusste; so verhielt es sich auch mit den Gegenständen der
Wissenschaft.
56. In dieser Weise erschien mein Denken bei den Geistern,
wenn ich ein wenig entfernt war vom Sinnlichen; wenn aber mein Denken im
Sinnlichen verweilte, dann erschien keine solche Welle, sondern Alles war
materiell und dem äußern Sichtbaren nicht unähnlich; dies nennt man im
Sinnlichen denken; wenn aber inwendiger gedacht wird, nennt man es, weggeführt
werden vom Sinnlichen; dass der Mensch vom Sinnlichen weggeführt werden kann,
war den Alten bekannt, weshalb auch einige von ihnen über diesen Zustand
geschrieben haben. Diejenigen, welche in jenem Denken (aus dem Sinnlichen) sind,
heißen Sinnliche; und ihnen sind ähnliche Geister beigestellt; diese Geister
begreifen bei dem Menschen kaum mehr als das, was auch zur Wahrnehmung des
Menschen gelangt, denn sie sind gröber als die übrigen. Es wurde beobachtet,
dass der Mensch, wenn er im Sinnlichen ist und sich nicht darüber erhebt, nur Körperliches
und Weltliches denkt, und nichts wissen will von dem, was sich auf das ewige
Leben bezieht, ja, dass es ihm ganz zuwider ist, etwas davon zu hören. Damit
ich wissen möchte, dass die Sache sich so verhält, wurde ich einige Male in
das Sinnliche versetzt, und dann kamen mir sogleich solche Dinge in den Sinn!
und auch die Geister, welche in dieser gröberen Sphäre sind, flößten Hässliches
und Anstößiges ein; sobald ich aber vom Sinnlichen weggeführt wurde,
verschwanden solche (Gedanken). In einem sinnlichen Leben stehen die Meisten,
welche den sinnlichen Vergnügungen nachhängen, ferner diejenigen, welche es
ernstlich vermeiden, etwas weiter zu denken, als sie sehen und hören; und mehr
noch diejenigen, welche es vermeiden, an das ewige Leben zu denken; deshalb
achten sie alles dieses gering, und wenn sie davon hören, so fühlen sie Ekel
und Widerwillen. Heut zu Tage ist Überfluß an solchen Geistern im andern
Leben, denn es kommen ganze Scharen derselben von der Erde, und der Einfluß von
ihnen bei dem Menschen bewirkt, dass er seinen Lüsten nachhängt und nur sich
und der Welt lebt, nicht aber für Andere, außer in so weit, als sie ihm und
seinen Lüsten günstig sind. Um von solchen (Geistern) befreit zu werden, muß
der Mensch an das ewige Leben denken.
57. Es wurde auch ein anderer Einfluß bemerkt, der nicht von
den Geistern ausgeht, die bei dem Menschen sind, sondern von andern, welche aus
einer höllischen Gesellschaft in die Lebenssphäre des Menschen eingelassen
werden; diese reden unter sich von solchen Dingen, welche dem Menschen zuwider
sind, und daraus entsteht gewöhnlich Unbehagen, Unlust, Traurigkeit oder Angst,
aber mit großer Verschiedenheit; solche waren öfters bei mir, und die, welche
Beängstigungen einflößten, wurden in der Gegend des Magens empfunden, wobei
ich indes erkannte, woher diese (Gefühle) kamen;
aber sie wurden jedes Mal entdeckt, und dann hörte ich, dass sie unter
sich von solchen Dingen redeten, welche meinen Neigungen zuwider waren; die
Geizigen erschienen bisweilen in derselben Gegend, doch ein wenig höher, und flößten
Angst und Sorge für die Zukunft ein; und es wurde mir auch gegeben, ihnen Vorwürfe
zu machen und ihnen zu sagen, dass sie im Magen solchen Dingen entsprechen,
welche unverdaut sind, übel riechen und somit Ekel erregen; ich sah auch, dass
sie weggeschafft wurden, und sobald sie fort waren, hörte die Beängstigung
ganz auf; dies geschah einige Male, damit ich Gewissheit darüber erlangte, dass
es von ihnen kam. Von solcher Art ist der Einfluß bei denen, die ohne Ursache
von schwermütiger Beängstigung gequält werden, und auch bei denen, die in
geistiger Versuchung sind; aber dann fließen solche (Geister) nicht nur im
Allgemeinen ein, sondern die höllischen Geister erregen auch insbesondere das Böse,
welches der Mensch vollbracht hat, und verdrehen und missdeuten das Gute; aber
mit diesen kämpfen dann die Engel; in einen solchen Zustand kommt der Mensch,
welcher wiedergeboren wird, dadurch, dass er in sein Eigenes versetzt wird; und
das geschieht, wenn er sich allzu sehr in Weltliches und Körperliches versenkt,
und wenn er zum Geistigen erhoben werden soll.
58. Der Einfluß des Bösen von der Hölle entsteht auf
folgende Weise: Wenn der Mensch zuerst aus der Einwilligung, dann aber aus
Vorsatz und zuletzt aus dem Lustreiz seiner Neigung sich auf das Böse wirft,
dann öffnet sich (ihm) die Hölle, welche in solchem Bösen ist (denn die Höllen
sind je nach dem Bösen und allen seinen Verschiedenheiten unter sich
geschieden); und dann findet auch von dieser Hölle aus ein Einfluß statt; wenn
der Mensch so in das Böse gerät, dann hängt es ihm an; denn die Hölle, in
deren Sphäre er sich dann befindet, ist in ihrem Lustreiz, wenn sie in seinem Bösen
ist; deswegen steht sie nicht ab, sondern bleibt hartnäckig (in ihm), und
macht, dass der Mensch zuerst hie und da, und hernach immer, so oft ihm etwas Ähnliches
vorkommt, an jenes Böse denkt, und zuletzt wird es bei ihm allgemein
herrschend, und wenn dies geschieht, dann sucht er solche Gründe auf, welche
beweisen sollen, dass es nicht böse ist, und dies
tut er so weit, dass er sich selbst völlig davon überzeugt, und dann
bemüht er sich, so viel als möglich die äußern Bande zu entfernen, und hält
(das Böse) für erlaubt und klug, und zuletzt sogar für anständig und
ehrenvoll, z.B. Ehebrüche, Diebstähle,
durch Kunstgriffe und List, die verschiedenen Arten der Anmaßung und der
Prahlerei, die Verachtung Anderer, Schmähungen, Verfolgungen unter dem Schein
der Gerechtigkeit und Ähnliches. Diese Dinge verhalten sich wie offenbare
Diebstähle; wenn der Mensch diese zwei oder drei
Mal aus Vorsatz begeht, dann kann er nicht mehr davon abstehen; denn sie
kleben fortwährend seinem Denken an.
59. Außerdem muß man wissen, dass das Böse, welches in das
Denken eindringt, dem Menschen nicht schadet, weil das Böse von den Geistern
aus der Hölle beständig eingeflößt und von den Engeln beständig zurückgetrieben
wird; wenn aber das Böse in den Willen eindringt, dann schadet es, denn dann
geht es auch in die Tat über, so oft die äußern Bande nicht abhalten; das Böse
dringt aber in den Willen ein durch Festhalten in den Gedanken, durch
Einwilligung, und besonders durch die Tat und den Lustreiz aus dieser.
60. Oftmals wurde auch beobachtet, dass die bösen Geister besonders in die Überredungen und Begierden des Menschen eindringen, und dann, wenn sie in diese eingedrungen sind, den Menschen infolge ihrer Herrschaft regieren; denn wer in die Begierden und Überzeugungen eines Menschen eindringt, der unterwirft sich denselben und macht ihn zu seinen Sklaven; dagegen geschieht der Einfluß durch die Engel gemäß den Neigungen des Menschen, welche sie auf sanfte Weise leiten und zum Guten umlenken, aber nicht gewaltsam brechen; ihr Einfluß selbst ist ein leiser, kaum bemerkbarer, denn er geht auf das Innere und wirkt beständig durch den freien Willen.